Wenn Bodenflächen, die besondere An­sprüche hinsichtlich Belastbarkeit, Lang­lebigkeit oder Hygienestandards erfüllen müssen, mit keramischen Fliesen und Platten ausgelegt werden sollen, kommt auch immer wieder das Rüttelverfahren zum Einsatz. Moderne Klebemörtel können als Kontaktschicht verwendet werden und erleichtern das Vorgehen.


Keramische Beläge sind unter anderem praktisch und erzeugen ein angenehmes Ambiente. Deswegen kommen sie auch auf gewerblichen und hochbelasteten Flächen zum Zuge: etwa in Autowerkstätten, Super­märkten oder Rettungswachen. An diese Be­reiche werden besondere Anforderungen gestellt, die der Boden erfüllen muss. Dazu gehören etwa: Widerstandsfähigkeit gegen hohe rollende Lasten und regen Publikums­verkehr, Resistenz gegen chemische oder pharmazeutische Erzeugnisse, vereinfachte Reinigung zur Erfüllung hoher Hygiene­standards.

Zur Erfüllung dieser Standards wird bei der Erstellung besonders belastbarer Boden­flächen gewöhnlich das so genannte Rüttel­verfahren eingesetzt. Bei diesem Verfahren werden die ausgewählten Beläge – meist Klinkerplatten oder Feinsteinzeug mit ent­sprechender Dicke und Bruchfestigkeit – mittels Rüttelmaschinen fest und gleich­mäßig in das Mörtelbett einvibriert.
Wirtschaftlich hat dies klare Vorteile: Durch die spezielle Verlegetechnik muss nicht jede Plattenreihe einzeln ausgerichtet werden. Zudem reicht ein Arbeitsgang, um einen extrem stabilen Bodenbelag herzustellen. Dies mindert nicht nur die Arbeitskosten, sondern sorgt auch für eine verkürzte Finanzierungsphase und eine schnelle Inbetriebnahme des Gebäudes seitens des Bauherrn.

Das Rüttelverfahren ist eine angepasste Form der Fliesenverlegung im Dickbett. Obwohl es schon seit mehreren Jahrzehnten zum Einsatz kommt, existieren keine all­gemeinen Normen zum Umgang mit dem Rüttelverfahren. Um die Qualität der Arbeiten zu gewährleisten, entwickelt je­doch der „Arbeitskreis Qualitätssicherung Rüttelbeläge“ ( AKQR ) in Zusammenarbeit mit der Säurefliesnervereinigung e.V., Großburgwedel, seit 1993 Richtlinien für einen standardisierten Aufbau derartiger Bodenflächen.
Zur Vorbereitung der Rüttelverlegung wird der Bettungsmörtel verdichtet und abgezogen.
Zur Herstellung einer Mörtelschlämme wird zum Beispiel der Dünn- und Mittelschicht Verlegemörtel Servoflex-Trio-SuperTec von Kiesel Bauchemie mit einem Wasseranteil von 50% angemischt.
Um das Rüttelverfahren optimal durchführen zu können, wird z.B Servoflex-Trio-SuperTec mit entsprechender Schichtstärke aufgetragen.

Zunächst wird ein Bettungsmörtel aus Sand, Kies, Zement und Wasser in erdfeuchter Konsistenz erstellt. Dies erfolgt nach speziellen Rezepturen zumeist direkt auf der Baustelle mit Zwangsmischer, Estrich­maschine oder Silo.

Alternativ kann der Mörtel auch über Transportbetonwerke angeliefert werden. Wichtig ist, dass der Umgang mit dem Bettungsmörtel auf der Baustelle insgesamt nicht länger als 5 Stunden andauert – dieser Prozess schließt die Herstellung, die Verlagerung, das Einbringen sowie das Einrütteln des Materials ein.
Eine zu lange Anwendungs­zeit wirkt sich auf die Verdichtung, die Festigkeit, die Kontaktfläche und die Haftfestigkeit des Mörtels aus – dies gilt es strikt zu vermeiden.

Auf das Einbringen des Bettungsmörtels folgt bei der klassischen Rüttelverlegung die Herstellung einer Kontaktschicht. Dabei wird entweder der Verlegemörtel mit Zement abgepudert und befeuchtet, so dass eine Zementschlämme entsteht oder es wird zuvor eine Zementschlämme mit Wasser angemischt und anschließend auf­getragen. In diese werden die keramischen Fliesen und Platten eingelegt.

Fährt der Fliesenleger nun mit der Rüttelmaschine – etwa einem Rollrüttler, der mit bis zu 10.000 Schwingungen in der Minute vibriert – über das Belagsmaterial, steigt die Zementschlämme in die engfugigen Zwischenräume zwischen den „knirsch“ verlegten Fliesen und Platten. Diese Schlämme verbindet sich mit dem Bettungs­und später dem Fugenmörtel und bindet nahezu gleichzeitig mit diesen ab.

Dieses spezifische „nass in nass“-Verfahren sorgt für eine erhöhte Stabilität, da eine kompakte Einheit aus Belag, Bettungsmörtel und Kontaktschicht entsteht.
Dem Fliesenleger steht jedoch eine Alternative zur selbstständigen Erstellung der Kontaktschicht offen: Statt eine reine Zementschlämme als Kontaktschicht zu verwenden, kann er einen für das Rüttel­verfahren geeigneten Klebemörtel zur Verlegung heranziehen.

Geeignet für diese Anwendung können hochmoderne, polymervergütete, flexible Dünn- und Mittelbettmörtel wie zum Beispiel der Servoflex-Trio-SuperTec von Kiesel Bauchemie sein. Dieser wird mit einem Wasseranteil von ca. 50 Prozent angemischt und nach einer ca. 5 Minuten dauernden Reifezeit auf dem vorliegenden Bettungsmörtel verteilt.

Beim Rüttelverfahren fährt der Fliesenleger mit einem Flächenrüttler mehrmals in sich kreuzende Richtungen über den Belag – die Zementschlämme steigt in die Zwischenräume der „knirsch“ verlegten Fliese auf.
Hohe Stabilität durch enge Verbindung: Der Kontakt zwischen dem Verlegemörtel und dem Belagsmaterial ist beim Rüttelverfahren stark.

Um eine entsprechende Verlegeschicht herzustellen, muss der Bettungsmörtel verdichtet und vorgezogen sein.
Der Fachhandwerker verteilt den Mörtel entsprechend auf dem Untergrund und zieht anschließend z. B. den Servoflex­Trio-SuperTec mit einer 6 mm Kamm­spachtel auf. Zusätzlich kann bis zu einem Mischungsverhältnis von 1 :1 Zement der Güteklasse CEM 1 32,5 R zugemischt werden (Wasserfaktor dann 45 Prozent).

Der Vorteil bei Verwendung eines solchen hochwertigen Dünn- und Mittelbettmörtels als Kontaktschicht liegt auf der Hand. Solche Mörtel verfügen über einen vergleichsweise hohen Dispersionspulveranteil in Trocken­form und ermöglichen so eine deutlich bessere Adhäsion zur Belagsrückseite als reiner Zement.

Gerade bei Verlegung von Feinsteinzeug ist dies wie beim herkömmlichen Dünn­bettverfahren ein Vorteil. Das anmischen erfolgt nur mit sauberem Wasser, d. h. ohne weitere Zusätze. Bedingt durch die Anmach­wassermenge entsteht ein leicht aufzu­kämmender Mörtel, an dem nicht sofort die frische Bettungsmörteloberschicht anhaftet – damit werden störende Materialver­mischungen beim Aufkämmen vermieden.

In jedem Fall ist der keramische Belag im Anschluss wie üblich „abzurütteln“:
Die gewählten Fliesen oder Platten sind „knirsch“ einzulegen, daraufhin fährt der Fliesenleger mit dem Flächen- bzw. Rollrüttler mehrmals in sich kreuzende Richtungen über den Belag. Der Verlege­mörtel steigt in die Zwischenräume. Es entsteht ein stabiler Schichtaufbau. Dieser wird durch die Verfugung ergänzt, die beim Rüttelverfahren häufig entweder mit reinem Zement oder mit einem Fugenmaterial aus Quarzsand und Zement erfolgt. Das Fugenmaterial bindet nahezu gleichzeitig mit dem Verlegemörtel ab und sorgt für eine weitere Festigung des Belags.

Üblicherweise sind Bodenflächen, die im Rüttelverfahren erstellt werden, nach 7 Tagen begehbar und nach 28 Tagen voll belastbar.

Autorinformation:
Ulrich Lauser ist Leiter Anwendungstechnik und
Technisches Marketing bei Kiesel Bauchemie, Esslingen

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Schichtdicke Bettungs-/Verlegemörtel:

  • im Verbund: min. 40 mm
  • auf Trennschicht: min. 65 mm
  • auf Dämmschicht: min. 85 mm

Der erhärtete Bettungsmörtel muss folgenden Festigkeitsklassen entsprechen:

  • im Verbund: Druckfestigkeitsklasse Cl 6
  • auf Trennschicht: Druckfestigkeitsklasse Cl 6/Biegezugfestigkeit F3
  • auf Dämmschicht: Druckfestigkeitsklasse C25/Biegezugfestigkeit F4

Der Rüttelvorgang erfolgt mit einem Flächenrüttler (Rüttelplatte/Rollrüttler) spätestens 60 Minuten nach dem Einbringen des Bettungsmörtels.